{"id":1716,"date":"2020-03-13T14:42:58","date_gmt":"2020-03-13T13:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=1716"},"modified":"2020-03-13T16:50:01","modified_gmt":"2020-03-13T15:50:01","slug":"geld-und-kredit-in-der-kritik-der-politischen-okonomie-michael-heinrich-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=1716","title":{"rendered":"Geld und Kredit in der Kritik der politischen \u00d6konomie, Michael Heinrich, 2003"},"content":{"rendered":"<h1 align=\"justify\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/www.strategies.fr\/sites\/default\/files\/assets\/images\/strats-image-170976.jpeg\" alt=\"R\u00e9sultat de recherche d'images pour &quot;argent banque histoire&quot;\" \/><strong>Geld und Kredit in der Kritik der politischen \u00d6konomie, Michael Heinrich<\/strong><\/h1>\n<p align=\"justify\">in:\u00a0<em>Das Argument\u00a0<\/em>251, 2003, S.397-409<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm\">Article sur le site de Michael Heinrich<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Vor dem Hintergrund internationalisierter Finanzm\u00e4rkte, h\u00e4ufiger werdenden W\u00e4hrungskrisen und Crashs an den Aktienm\u00e4rkten besitzt die Diskussion \u00fcber Geld und Kredit eine unmittelbar politische Aktualit\u00e4t. Der neoliberale Ruf nach Deregulierung der M\u00e4rkte ist zwar keineswegs verstummt, doch wird bereits \u00fcber eine Re-Regulierung diskutiert. Gro\u00dfen Teilen der globalisierungskritischen Bewegungen erscheint die B\u00e4ndigung der Finanzm\u00e4rkte als der entscheidende Hebel f\u00fcr die Z\u00e4hmung des \u201eentfesselten Kapitalismus\u201c. Geld- und kredittheoretische Fragen betreffen also nicht blo\u00df Fach\u00f6konomisches, verhandelt werden vielmehr die spezifischen Vergesellschaftungsweisen im gegenw\u00e4rtigen Kapitalismus.<\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">In den herrschenden \u00f6konomischen Theorien ist davon nicht viel zu sp\u00fcren. Nicht die soziale\u00a0<em>Form<\/em>\u00a0Geld, sondern die\u00a0<em>Funktionen<\/em>\u00a0des Geldes interessieren dort. Klassik und Neoklassik sehen im Geld vor allem ein Tauschmittel, letztlich ein blo\u00df technisches Hilfsmittel, das f\u00fcr die Theoriebildung im Grunde uninteressant ist. Der Keynesianismus nimmt Geld als Wertaufbewahrungs- und Kreditmittel zwar durchaus ernst, die Art und Weise der \u00fcber Geld und Tausch vermittelten Vergesellschaftung wird hier aber genauso wenig zum Problem wie bei der Neoklassik, sie wird einfach unterstellt. Dagegen zielt Marx\u2019 Kritik der politischen \u00d6konomie auf die Dechiffrierung jenes Typus\u00a0<em>\u00f6konomischer Gegenst\u00e4ndlichkeit<\/em>, der in den herrschenden Theorien immer schon vorausgesetzt wird. Die Kritik der politischen \u00d6konomie ist nicht eine weitere \u00f6konomische oder soziologische Theorie neben anderen, sondern in einem emphatischen Sinne \u201eKritik\u201c: Kritik nicht nur an einzelnen Theorien, sondern an dem diese Theorien konstituierenden Gegenstandsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p align=\"justify\">In den Rezeptionslinien, die seit dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert in der Arbeiterbewegung vorherrschten, wurde dieses \u201ekritische\u201c Unternehmen aber in eine eklektische Weltanschauung namens \u201eMarxismus\u201c (sp\u00e4ter \u201eMarxismus-Leninismus\u201c) umgem\u00fcnzt. Ein Prozess, dem einerseits durch den fragmentarischen Charakter der Kritik der politischen \u00d6konomie und die popularisierenden Schriften von Engels (vor allem den\u00a0<em>Anti-D\u00fchring<\/em>) Vorschub geleistet wurde, der andererseits aber auch nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, wenn Arbeiterbewegung und Arbeiterparteien, die sich in Gestalt einer \u201enegativen Integration\u201c (Groh 1973) in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft konsolidierten, nicht selbst ein Bed\u00fcrfnis nach Weltanschauung entwickelt h\u00e4tten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der weltanschauliche Dogmatismus eines \u201edialektischen\u201c und \u201ehistorischen\u201c Materialismus wurde zwar schon seit den 20er Jahren kritisiert. Die Reduktion der Kritik der politischen \u00d6konomie auf eine \u201emarxistische politische \u00d6konomie\u201c, wie sie nicht nur f\u00fcr realsozialistische Lehrb\u00fccher, sondern auch f\u00fcr im Westen weit verbreitete Darstellungen wie die von Sweezy (1942), Meek (1956) oder Mandel (1962) typisch war, wurde erst ab den sp\u00e4ten 60er Jahren zum Thema. Erst jetzt wurden auch schon fr\u00fcher abweichende Stimmen, wie die von Rubin (1924) \u00fcberhaupt bekannt. Im Mainstream des traditionellen Marxismus wurde die Marxsche Werttheorie auf eine Arbeitsmengentheorie (Arbeitsmenge bestimmt die Austauschverh\u00e4ltnisse) und eine Theorie der Ausbeutung reduziert &#8211; was Linksricardianer bereits in den 1830er Jahren vertreten hatten. Wo Marx \u00fcber deren Positionen hinausging, wurden seine Argumente meistens entweder ignoriert oder banalisiert. Man diskutierte das Konzept der abstrakten Arbeit entweder \u00fcberhaupt nicht weiter oder verwandelte es in eine \u00fcberhistorische Abstraktion; die Wertformanalyse galt als kurzgefasste Darstellung der historischen Herausbildung des Geldes. Was Marx schon an Ricardos Werttheorie kritisierte, die Unf\u00e4higkeit, den monet\u00e4ren Charakter des Werts auch nur in den Blick zu bekommen (z.B. MEW 26.2, 161), traf auch f\u00fcr den traditionsmarxistischen Mainstream zu. Geld und Kredit galten ihm als \u201eblo\u00dfe Zirkulationsph\u00e4nomene\u201c, die eigentlich wichtige Sph\u00e4re war allein die Produktion. Als Begr\u00fcndung einer marxistischen Krisentheorie wurde daher mit Z\u00e4hnen und Klauen das \u201eGesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate\u201c verteidigt; jenseits davon konnte man sich keine Krisentheorie mehr vorstellen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Die Wertformanalyse: \u201eLogisches\u201c oder \u201eHistorisches\u201c?<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Schon lange vor der Abfassung des\u00a0<em>Kapital<\/em>\u00a0machte Marx in seiner Auseinandersetzung mit Proudhon deutlich, dass die \u00f6konomischen Kategorien einen historischen Charakter haben: sie sind nur g\u00fcltig f\u00fcr eine bestimmte historische Produktionsweise (MEW 4, 130; MEW 27, 457). Wer von einem ahistorischen Charakter der \u00f6konomischen Kategorien ausgeht, und den Faustkeil eines Neandertalers f\u00fcr Kapital h\u00e4lt, verwechselt \u00f6konomische Formbestimmung mit sachlichem Inhalt. Zwar werden in allen Produktionsweisen Produktionsmittel ben\u00f6tigt, aber nur in der kapitalistischen Produktionsweise nehmen sie die Form von Kapital, von sich verwertendem Wert an. Insofern sind Kapital (sowie Geld, Wert etc.) historische Kategorien.<\/p>\n<p align=\"justify\">Von einem historischen Charakter der Kategorien wird allerdings noch in einem anderen Sinn gesprochen. Marx betont, dass er die Kategorien der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie in ihrem Zusammenhang \u201eentwickeln\u201c will, in der Wertformanalyse geht es ihm darum, die \u201eGenesis dieser Geldform nachzuweisen\u201c (MEW 23, 62). Dass es sich bei dieser Genesis nicht um eine detaillierte historische Nacherz\u00e4hlung der Geldentstehung handelt, ist offensichtlich. Aber welchen Charakter hat diese \u201eGenesis\u201c dann? Ma\u00dfgeblich beeinflusst wurden die sp\u00e4teren Debatten von Engels. In seiner Rezension von\u00a0<em>Zur Kritik der politischen \u00d6konomie<\/em>\u00a0schrieb er, dass die Kritik der \u00d6konomie \u201ehistorisch oder logisch\u201c angelegt werden k\u00f6nnte (MEW 13, 474). Marx habe zwar die \u201elogische Behandlungsweise\u201c gew\u00e4hlt (d.h. eine begrifflich-kategoriale Darstellung), doch sei diese \u201ein der Tat nichts anderes als die historische, nur entkleidet der historischen Form und der st\u00f6renden Zuf\u00e4lligkeiten\u201c, ein \u201eSpiegelbild, in abstrakter und theoretisch konsequenter Form, des historischen Verlaufs\u201c (MEW 13, 475).<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Auffassung, die \u201elogische Behandlungsweise\u201c sei nur ein abstraktes Spiegelbild der historischen Entwicklung, dominierte im traditionellen Marxismus. Ausf\u00fchrlich wurde sie u. a. in einem Aufsatz von Klaus Holzkamp dargelegt, der 1974 in Argument 84 erschien. Wesentliche Elemente dieser Auffassung finden sich auch bei Wolfgang Fritz Haug, etwa in dem HKWM-Stichwort \u201eGenesis\u201c oder in dem in diesem Heft abgedruckten Entwurf f\u00fcr das Stichwort \u201eHistorisches\/Logisches\u201c. Im erstgenannten Stichwort wird die Wertformanalyse als \u201eParadigma genetischer Rekonstruktion\u201c bezeichnet. Was \u201eGenesis\u201c aber bedeuten soll, wird gleich zu Anfang des Stichworts in enger sachlicher Anlehnung an Engels\u00a0<em>definitorisch<\/em>, ohne weitere Diskussion festgelegt: Genesis \u201eunterscheidet sich vom Historischen dadurch, dass darunter ein bestimmter Entstehungszusammenhang \u201ain Reinkultur\u2019, unter Ausblendung von \u00dcberlagerungen verstanden werden kann\u201c (Haug 2001, 261).<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0Damit ist bereits durch eine scheinbar harmlose Begriffsdefinition ein Deutungsraster vorgegeben, noch bevor die Auseinandersetzung mit dem Marxschen Text \u00fcberhaupt beginnt. Dementsprechend verl\u00e4uft die Skizzierung der Wertformanalyse lediglich \u00fcber die Passagen, in denen Marx\u00a0<em>nach<\/em>\u00a0erfolgter Analyse (jedoch nicht als deren Begr\u00fcndung) anmerkt, dass die einzelnen Formen historisch irgendwann existierten. Durch diese Auswahl wird unterstellt das Wesentliche der Wertformanalyse sei die abstrakte Darstellung eines historischen Prozesses \u201e\u00fcber dessen konkret-historisches Auftreten damit allerdings noch nichts gesagt ist, au\u00dfer dass er irgendwann in dieser Sequenz erfolgt sein muss\u201c (ebd., 266).<\/p>\n<p align=\"justify\">W\u00fcrde es bei der Wertformanalyse tats\u00e4chlich nur darum gehen, auf einer allgemeinen Ebene deutlich zu machen, dass die historische Ausbreitung von Tauschverh\u00e4ltnissen schlie\u00dflich ein allgemeines \u00c4quivalent hervorbringen muss, dann w\u00fcrde sich die Wertformanalyse auf eine Banalit\u00e4t reduzieren; eine Banalit\u00e4t, die von \u00d6konomen weder im 19. noch im 20.Jahrhundert bestritten wurde. Der Marxsche Anspruch \u201ezu leisten,\u00a0<em>was von der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie nicht einmal versucht ward<\/em>, n\u00e4mlich die Genesis dieser Geldform nachzuweisen\u201c (MEW 23, 62, Hervorhebung M. H.) w\u00e4re dann ma\u00dflos \u00fcberzogen. Mit dieser Banalit\u00e4t h\u00e4tte die Wertformanalyse auch nicht das leisten k\u00f6nnen, was sich Marx von ihr versprach, einerseits den Nachweis f\u00fcr die Unhaltbarkeit der Proudhonschen Sozialismusvorstellung zu erbringen, die auf eine Beibehaltung der Warenproduktion bei Abschaffung des Geldes hinauslief, und andererseits eine Fundamentalkritik am theoretischen Umgang der klassischen politischen \u00d6konomie mit Geld zu liefern. Dass Geld sich historisch herausgebildet hat, und dass diese Herausbildung nicht zuf\u00e4llig vonstatten ging, sondern in gewissem Sinne \u201enotwendig\u201c war, um den Tausch zu erleichtern, ist noch lange keine Widerlegung von Proudhons These, dass heute, unter den Bedingungen voll entwickelter Tauschverh\u00e4ltnisse durch g\u00fcnstige institutionelle Vorkehrungen vielleicht doch wieder auf Geld verzichtet werden k\u00f6nnte. Und erst recht nicht ist das auch von Haug als Triebkraft der Wertformentwicklung verstandene \u201eUnpraktische, Disfunktionale\u201c, das zur Aufhebung einer Form f\u00fchren soll (Haug 2001, 266), ein Argument gegen die klassisch-neoklassische Elimination des Geldes aus der Theorie. Dort wird ja keineswegs bestritten, dass Geld praktisch und funktional ist, es wird vielmehr behauptet, dass die wesentlichen \u00f6konomischen Beziehungen auch ohne Geld\u00a0<em>modelliert und begriffen<\/em>\u00a0werden k\u00f6nnen. Und ob ein solches Begreifen m\u00f6glich ist oder nicht, hat erhebliche Konsequenzen: auf dem letztlich nicht-monet\u00e4ren Verst\u00e4ndnis des Tausches beruhen alle klassisch-neoklassischen Beweise einer prinzipiellen Krisenfreiheit von Marktwirtschaften, w\u00e4hrend Marx in der Geldvermittlung des Tausches die allgemeinste M\u00f6glichkeit der Krise sieht (MEW 23, 227f).<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Auffassungen Proudhons und der klassisch-neoklassischen \u00d6konomie k\u00f6nnen nur durch den Nachweis kritisiert werden, dass\u00a0<em>innerhalb<\/em>\u00a0der entwickelten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft Wert \u00fcberhaupt nicht ohne den Bezug auf Geld existieren kann, dass die Geldform des Werts also weit mehr als nur ein praktisches Hilfsmittel ist. Dies zu zeigen, ist der Anspruch der Wertformanalyse. Wenn Marx nach der oben zitierten Stelle \u00fcber die \u201eGenesis der Geldform\u201c fortf\u00e4hrt, \u201ealso die Entwicklung des im Wertverh\u00e4ltnis der Waren enthaltenen Wertausdrucks von seiner einfachsten unscheinbarsten Gestalt bis zur blendenden Geldform zu verfolgen\u201c (MEW 23, 62), dann geht es nicht um eine noch so abstrakt modellhaft gefasste\u00a0<em>vorb\u00fcrgerliche<\/em>\u00a0Entwicklung hin zu b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Formen, sondern um die Beziehung von\u00a0<em>kapitalistisch produzierter\u00a0<\/em>Ware und Geld. Zwar war im ersten Kapitel des \u201eKapital\u201c noch nicht von kapitalistischer Produktion die Rede, aber bereits der erste Satz dieses Kapitels machte klar, dass die zur Diskussion stehende Ware keine vorb\u00fcrgerliche, sondern kapitalistische ist. Was mittels Wertformanalyse gezeigt werden soll, ist, dass\u00a0<em>unter kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen\u00a0<\/em>der Warenwert einen selbst\u00e4ndigen und zugleich allgemeinen Wertausdruck ben\u00f6tigt; dass sich die Waren ohne einen solchen Wertausdruck\u00a0<em>als Werte \u00fcberhaupt nicht aufeinander beziehen k\u00f6nnen.<\/em>\u00a0Wenn dieses Ergebnis der Wertformanalyse richtig ist, dann kann Wert in einer kapitalistischen \u00d6konomie nicht existieren (und nicht verstanden werden) ohne Bezug auf Geld. Dieses Ergebnis, das sich auf das Verh\u00e4ltnis von Wert und Geld bei entwickelter Warenproduktion bezieht, ist sowohl f\u00fcr Proudhon wie f\u00fcr Klassik und Neoklassik eine Neuigkeit und destruiert ihre theoretische Behandlung des Geldes.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0Und weiter l\u00e4sst sich, wenn dieses Ergebnis richtig ist, die Marxsche Werttheorie nicht auf die substanzialistische Arbeitsmengentheorie des traditionellen Marxismus reduzieren, die Wert bereits an der einzelnen Ware festzumachen sucht<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, sondern sie ist immer schon \u201emonet\u00e4re\u201c Werttheorie.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Von dem gerade skizzierten,\u00a0<em>nicht\u00a0<\/em>auf abstrakter, modellhafter Geschichtsdarstellung beruhenden Verst\u00e4ndnis von \u201eGenesis\u201c und \u201eEntwicklung\u201c scheint Haug anzunehmen, dass es einem \u201ehegelianisierenden Missverst\u00e4ndnis\u201c auf den Leim gehe, das alles aus \u201eeiner \u201ader Ware\u2019 als solcher inh\u00e4renten Logik\u201c (Haug 2001, 269) hervorgehen l\u00e4sst. Damit ist die Frage aufgeworfen, was den Gang der Darstellung (nicht nur der Wertformanalyse) strukturiert, wenn es eben nicht die abstraktifizierte Geschichte ist.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im Stichwort \u201eHistorisches\/Logisches\u201c liefert Haug zwei unterschiedliche \u00dcberlegungen zur Strukturierung der Darstellung in der Kritik der politischen \u00d6konomie. Zun\u00e4chst hei\u00dft es: \u201eWenn sich in der Abfolge nach Komplexionsgraden Historisches im Sinne einer diachronen Ordnung ausdr\u00fcckt, so in der Abfolge auf einem gegebenen Komplexionsniveau die synchrone Ordnung des Funktionellen\u201c (Haug 2003, 393) Dies legt nahe, dass sich die Abfolge der Darstellung nach zwei Ordnungsprinzipien richtet, wobei man sich die Abfolge von \u201eKomplexionsgraden\u201c, wohl als \u201egenetische Entwicklung\u201c im Sinne einer modellhaften Rekonstruktion des Historischen vorzustellen hat. Ausgeblendet wird dabei die M\u00f6glichkeit, dass es in der Marxschen Darstellung um eine Abfolge von Komplexionsgraden geht, die nicht historisch (wie abstrakt auch immer) sondern\u00a0<em>gegenw\u00e4rtig<\/em>\u00a0bestimmt sind: Rekonstruktion nicht einer historischen Entwicklung, sondern eines gegenw\u00e4rtig vorfindlichen Zusammenhangs aus einfachen Momenten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im weiteren geht es bei Haug dann um die \u201eReihenfolge\u201c der Kategorien, allerdings ohne dass auf die zuvor angestellten \u00dcberlegungen zur \u201eAbfolge\u201c eingegangen wird, oder angesprochen wird, ob Abfolge und Reihenfolge Verschiedenes bedeuten soll. Die Reihenfolge der Kategorien in der Darstellung wird verglichen mit der Reihenfolge ihres historischen Auftretens, und dabei kommt Haug zu dem Ergebnis, das der Gang der Darstellung der historischen Entwicklung entsprechen kann oder auch nicht (ebd., 395). W\u00e4hrend der erste Fall gut mit der oben genannten Abfolge von Komplexionsgraden harmonieren w\u00fcrde, ist beim zweiten nicht zu sehen, wie er \u00fcberhaupt zum ersten Schema passen soll. Aus einer Perspektive, die \u201egenetische Entwicklung\u201c als modellhafte Rekonstruktion der Geschichte auffasst, m\u00fcsste es doch als Problem erscheinen, wieso die Darstellung nicht nur statt des diachronen einen synchronen, sondern ab und zu sogar einen anti-diachronen<em>\u00a0<\/em>Weg einschl\u00e4gt. Leider wird eine solche Diskussion nicht gef\u00fchrt. Haug scheint der Ansicht zu sein, dass man \u00fcber die Aufz\u00e4hlung dessen, was man bei Marx alles vorfinden kann, nicht hinauskommt, ja das alles weitere sogar sch\u00e4dlich w\u00e4re: Diesen Punkt abschlie\u00dfend hei\u00dft es: \u201eDas Verlangen nach allgemeinen Patentformeln hat hier wie sonst zu unheilvoller Verwirrung gef\u00fchrt\u201c (ebd., 396).<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun hatte Marx in der\u00a0<em>Einleitung<\/em>\u00a0von 1857 (aus der auch Haug viele Zitate entnimmt) zwar diskutiert, ob die Reihenfolge der Kategorien in der Darstellung der Reihenfolge ihres historischen Auftretens entspricht oder nicht, und hatte f\u00fcr beides Beispiele geliefert. Allerdings blieb er dabei nicht stehen, sondern gelangte\u00a0<em>am Ende<\/em>\u00a0seiner Diskussion zu einem eindeutigen Ergebnis, worin das\u00a0<em>Kriterium<\/em>\u00a0f\u00fcr die Reihenfolge der Darstellung besteht:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eEs w\u00e4re also untubar und falsch, die \u00f6konomischen Kategorien in der Folge aufeinander folgen zu lassen, in der sie historisch die bestimmenden waren.\u00a0<em>Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch die Beziehung, die sie in der modernen b\u00fcrgerlichen Gesellschaft aufeinander haben<\/em>\u00a0und die gerade das umgekehrte von dem ist, was als ihre naturgem\u00e4\u00dfe erscheint oder der Reihe der historischen Entwicklung entspricht.\u201c (MEW 42, 41, Hervorhebung M.H.)<\/p>\n<p align=\"justify\">Dass Letzteres (die gegen\u00fcber der Historie \u201eumgekehrte\u201c Reihenfolge) nicht immer der Fall ist, hatte Marx durch seine eigenen Beispiele belegt. Entscheidend ist aber \u00fcberhaupt nicht die Parallelit\u00e4t oder Nicht-Parallelit\u00e4t der kategorialen Darstellung mit der historischen Entwicklung. Denn selbst wenn eine Parallelit\u00e4t vorliegt, liefert sie f\u00fcr die Darstellung keine\u00a0<em>Begr\u00fcndung<\/em>. Was die Darstellungsabfolge der Kategorien begr\u00fcnden soll, ist ausschlie\u00dflich die \u201eBeziehung, die sie in der\u00a0<em>modernen<\/em>\u00a0b\u00fcrgerlichen Gesellschaft aufeinander haben\u201c (Hervorhebung M.H.). Das ist zwar kein \u201ePatentrezept\u201c, aber doch eine klare Aussage, nach welchem Kriterium sich die Darstellung richten soll.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Geld und Kapital: monet\u00e4re oder nicht-monet\u00e4re Theorie des Kapitals?<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Nach der Darstellung der \u201eeinfachen Zirkulation\u201c von Ware und Geld leitet Marx die Untersuchung der \u201eallgemeinen Formel des Kapitals\u201c, G &#8211; W &#8211; G\u2019, mit der Bemerkung ein:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eNeben dieser Form [gemeint ist die f\u00fcr die einfache Zirkulation charakteristische Form W-G-W, M.H.]\u00a0<em>finden wir<\/em>\u00a0aber eine zweite spezifisch unterschiedne, die Form G &#8211; W -G\u201c (MEW 23, 162, Hervorhebung M.H.)<\/p>\n<p align=\"justify\">Hier sieht es so aus, als st\u00fcnden die beiden Zirkulationsformen einfach nebeneinander, wir \u201efinden\u201c die eine wie die andere. Zwar ist die einfache Zirkulation Voraussetzung f\u00fcr die Existenz des Kapitals, doch ob Kapital tats\u00e4chlich existiert, scheint ihr \u00e4u\u00dferlich zu sein. Diese scheinbare Selbst\u00e4ndigkeit der einfachen Zirkulation machte dann die auf Engels zur\u00fcckgehende Vorstellung einer \u201eeinfachen Warenproduktion\u201c ebenso plausibel wie die Idee einer \u201esozialistischen Marktwirtschaft\u201c.<\/p>\n<p align=\"justify\">In den\u00a0<em>Grundrissen<\/em>\u00a0(MEW 42, 159ff) und im\u00a0<em>Urtext von Zur Kritik der politischen \u00d6konomie<\/em>\u00a0(MEGA II. Abt., Bd. 2, 63ff) hatte Marx noch zu zeigen versucht, dass \u201eGeld als Geld\u201c , d.h. Geld als verselbst\u00e4ndigter Wert, nur von Dauer sein kann, wenn es die Form von sich verwertendem Wert (G &#8211; W &#8211; G\u2019) annimmt. So wie die Wertformanalyse die strukturelle Beziehung zwischen Wert und Geldform des Werts aufdeckte, wurde dort gezeigt, dass die einfache Zirkulation als die ganze \u00d6konomie umfassend und Geld als selbst\u00e4ndige Gestalt des Werts nur existieren k\u00f6nnen, wenn ihnen Kapital als sich verwertender Wert zugrunde liegt. Die einfache Zirkulation, d.h. eine die gesamte \u00d6konomie umfassende \u201eMarktwirtschaft\u201c kann es somit nur geben, wenn diese Marktwirtschaft zugleich kapitalistisch ist. Dass dem so ist, d.h. dass sich die Warenform der Arbeitsprodukte nur unter kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen verallgemeinert, wird im\u00a0<em>Kapital<\/em>\u00a0lediglich beil\u00e4ufig als Faktum behauptet, aber nicht mehr begr\u00fcndet (MEW 23, 184, Fn. 41).<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn auch dort der angesprochene \u00dcbergang vom Geld ins Kapital fehlt, so macht Marx doch auf den spezifisch monet\u00e4ren Charakter des Kapitals aufmerksam. Als Kapital ist der Wert das \u201e\u00fcbergreifende Subjekt\u201c eines Prozesses, bei dem er abwechselnd Warenform und Geldform annimmt. Allerdings, so Marx weiter, bedarf der Wert<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eeiner selbst\u00e4ndigen Form, wodurch seine Identit\u00e4t mit sich selbst konstatiert wird. Und diese Form besitzt er nur im Gelde. Dies bildet daher Ausgangspunkt und Schlu\u00dfpunkt jedes Verwertungsprozesses.\u201c (MEW 23, 169).<\/p>\n<p align=\"justify\">Was Keynes knapp 70 Jahre sp\u00e4ter als schweres Gesch\u00fctz gegen die Neoklassik auff\u00e4hrt, dass die Voraussetzung jedes kapitalistischen Produktionsprozesses die Verf\u00fcgung \u00fcber Geld ist, und es sich bei dieser Voraussetzung eben nicht um eine blo\u00df formelle Angelegenheit handelt, wird bei Marx bereits auf einer viel grunds\u00e4tzlicheren Ebene angesprochen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Obgleich die marxsche Darstellung mit einer \u201emonet\u00e4ren\u201c Werttheorie und einer \u201emonet\u00e4ren\u201c Kapitaltheorie beginnt, wurde diese monet\u00e4re Seite sowohl von Marxisten als auch von Marx-Kritikern weitgehend ausgeblendet. Der marxistische Mainstream war geradezu stolz auf den vorgeblich nicht-monet\u00e4ren Charakter der Marxschen Akkumulations- und Krisentheorie &#8211; alles was mit Geld zusammenhing, galt als \u201eblo\u00dfes Zirkulationsph\u00e4nomen\u201c. Und von keynesianischer Seite aus, d.h. aus der Perspektive der einzigen Richtung b\u00fcrgerlicher \u00d6konomie, die Geld und Krise in ihrer Theoriebildung ernst nimmt, galt der nicht-monet\u00e4re Charakter der Marxschen Akkumulationstheorie als deren gr\u00f6\u00dftes Defizit (so z.B. Heine\/Herr 1992).<\/p>\n<p align=\"justify\">Nach dem vierten Kapitel tauchen monet\u00e4re Fragen im ersten Band, mit Ausnahme weniger, vereinzelter Bemerkungen nicht mehr auf. Erst gegen Ende des zweiten Bandes und dann im umfangreichen V. Abschnitt des dritten Bandes, der von zinstragendem Kapital und Kredit handelt, geht es wieder explizit um monet\u00e4re Dimensionen. Dass im ersten Band monet\u00e4re Fragen \u00fcber weite Teile keine Rolle spielen, ist nicht verwunderlich, ist sein Gegenstand doch der \u201eProduktionsproze\u00df des Kapitals\u201c. Nur l\u00e4sst sich daraus nicht schlie\u00dfen, dass sie \u00fcberhaupt keine Rolle mehr spielen. Nicht ohne Grund hatte Marx lange darauf bestanden, alle drei B\u00e4nde auf einmal zu ver\u00f6ffentlichen. Dass der zweite Band erst 18 Jahre und der dritte erst 27 Jahre nach dem ersten Band erschien (also eine Generation sp\u00e4ter), hatte auf die Rezeption des \u201eKapital\u201c einen kaum zu untersch\u00e4tzenden Einfluss. Nicht nur wurde der erste Band bis zum Erscheinen des dritten bereits breit diskutiert und in verschiedenen Einf\u00fchrungen popularisiert, es schien auch so, als enthalte er schon alles Wesentliche: die Wertbestimmung durch Arbeitszeit, den Nachweis von Ausbeutung trotz \u00c4quivalententausch, die Analyse des destruktiven Charakters kapitalistischer Produktivkraftentwicklung, die Tendenz zur Bildung einer industriellen Reservearmee und zur relativen Verelendung. Und schlie\u00dflich wurde im ber\u00fchmten Schlussabschnitt des 24. Kapitels auch noch die historische Tendenz der kapitalistischen Akkumulation einschlie\u00dflich der zuk\u00fcnftigen \u00dcberwindung des Kapitalismus skizziert. Alles Wichtige schien gesagt, und dieses Wichtige bezog sich im wesentlichen auf die Produktionssph\u00e4re. Die B\u00e4nde zwei und drei konnten es dann wohl nur noch mit Spezialproblemen zu tun haben. Ihr im Vergleich zum ersten Band wesentlich spr\u00f6derer Stil und ihr teilweise fragmentarischer Charakter trug zus\u00e4tzlich dazu bei, dass sie als Stoff lediglich f\u00fcr \u201eExperten\u201c angesehen wurden. Das nahezu einzige Thema, das auf breiteres Interesse stie\u00df, war das \u201eGesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate\u201c und eine anscheinend darauf aufbauende Krisentheorie.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses (h\u00e4ufig zusammenbruchstheoretisch interpretierte) \u201eGesetz\u201c versuchte Marx im wesentlichen aus den kapitalistischen Produktionsbedingungen zu begr\u00fcnden, wodurch es unmittelbar an die produktionsseitig ausgerichtete Rezeption des ersten Bandes angeschlossen werden konnte.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>\u00a0Und schlie\u00dflich hatte Engels in seinem Bem\u00fchen, eine \u201elesbare\u201c Edition des dritten Bandes herzustellen, die krisentheoretischen Bemerkungen, in denen die Marxsche Untersuchung des \u201eGesetzes&#8230;\u201c ausl\u00e4uft, so strukturiert, dass die Umrisse einer Krisentheorie sichtbar werden. Damit entstand der Eindruck, als versuche Marx im Anschluss an das \u201eGesetz&#8230;\u201c eine im Kern nicht-monet\u00e4re Krisentheorie zu formulieren. Das Originalmanuskript zum dritten Band ist viel weniger eindeutig (vgl. MEGA II. Abt. Bd. 4.2, 285-340).<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>\u00a0Inhaltlich spricht vieles daf\u00fcr, dass eine solche Theorie erst nach der Darstellung von zinstragendem Kapital und Kredit m\u00f6glich ist. Aber genau dieser Punkt blieb im dritten Band am wenigsten ausgearbeitet und wurde auch jahrzehntelang kaum untersucht.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Im Ergebnis wurde das\u00a0<em>Kapital<\/em>\u00a0als eine im wesentlichen nicht-monet\u00e4re Theorie begriffen; Krisenprozesse sollten allein in Ver\u00e4nderungen innerhalb der Produktion begr\u00fcndet sein. Geld und Kredit galten als etwas eher Zus\u00e4tzliches: als Geld- und Kredit\u00fcberbau der mehr oder weniger krisenhaft funktionierenden kapitalistischen Produktion, der nur eine \u201eabgeleitete\u201c und damit weniger wichtige Sph\u00e4re darstellt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Kapital und Kredit<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Im Gang der Darstellung entwickelt Marx zwar zun\u00e4chst Produktions- und Zirkulationsprozess des Kapitals sowie die Durchschnittsprofitrate, ohne dass er dabei auf Kreditverh\u00e4ltnisse eingeht. Doch kann aus diesem Nacheinander der Darstellung genauso wenig wie beim Nacheinander der Darstellung von Ware und Geld geschlossen werden, dass das zuerst Dargestellte das Eigentliche sei, das auch allein existieren kann, zu dem das zweite nur in einer \u00e4u\u00dferlichen Beziehung steht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dass eine entwickelte kapitalistische Produktion und Zirkulation \u00fcberhaupt nur unter Kreditverh\u00e4ltnissen m\u00f6glich ist, wird im\u00a0<em>Kapital<\/em>\u00a0bereits an Stellen deutlich, an denen explizit noch gar nicht von Kredit die Rede ist. So tauchte im zweiten Band, bei der Untersuchung der Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals die Frage auf, wo das Geld zur Zirkulation des Mehrwerts herkommt: die Kapitalisten schie\u00dfen in Geldform nur einen Wert von c\u00a0+\u00a0v vor, zirkuliert werden muss aber ein Gesamtprodukt im Wert von c\u00a0+\u00a0v\u00a0+\u00a0m. In mehreren Anl\u00e4ufen (MEW 24, 331-337; 417ff; 469ff; 495) erkl\u00e4rt Marx dies schlie\u00dflich damit, dass einige Kapitalisten \u00fcber einen Schatz verf\u00fcgen, mit dem sie den Mehrwert anderer Kapitalisten realisieren k\u00f6nnen, noch bevor ihr eigener Mehrwert realisiert wurde. Danach verf\u00fcgen diese anderen Kapitalisten \u00fcber Geld, um nun ihrerseits den Mehrwert der ersten Kapitalisten zu realisieren. Dass die Zirkulation des Mehrwerts \u00fcber \u201eSch\u00e4tze\u201c (also brachliegendes Kapital) vermittelt wird, ist nat\u00fcrlich eine anachronistische Annahme, die Marx nur deshalb machen muss, weil an dieser Stelle die Kategorien Zins und Kredit noch nicht entwickelt sind.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Kredit ist aber nicht blo\u00df ein unvermeidlicher Mittler des kapitalistischen Zirkulationsprozesses, vor allem verleiht er der kapitalistischen Akkumulation ihre Elastizit\u00e4t. Bereits der Ausgleich der Profitraten (und damit die Steuerung der kapitalistischen Produktion \u00fcber die Durchschnittsprofitrate) k\u00e4me ohne Kredit nicht voran: die bei diesem Ausgleichsprozess unterstellten Kapitalbewegungen zwischen den einzelnen Produktionssph\u00e4ren beruhen in erster Linie auf einer Verschiebung der\u00a0<em>Kredite<\/em>\u00a0f\u00fcr zus\u00e4tzliche Investitionen. Ohne Kredit k\u00f6nnte ein Kapitalist allenfalls den Profit der Vorperiode akkumulieren, die f\u00fcr kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse typischen schnellen Kapitalbewegungen w\u00e4ren damit aber unm\u00f6glich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Kreditsystem verteilt aber nicht einfach nur eine bereits vorhandene Geldmenge um. Marx betont, dass \u201edie Banken Kapital und Kredit kreieren\u201c (MEW 25, 558): Mit dem Kreditgeld, d.h. Zahlungsversprechen, die zirkulieren und dabei als Geld fungieren, existiert die M\u00f6glichkeit der Geldsch\u00f6pfung \u201eaus dem Nichts\u201c (wie auch der Geldvernichtung \u201eins Nichts\u201c, wenn die Zahlungsversprechen eingel\u00f6st werden). Sofern die sachlichen Voraussetzungen des Akkumulationsprozesses existieren, kann durch den Kredit nicht nur die Akkumulation eines einzelnen Kapitalisten, sondern auch die Akkumulation des Gesamtkapitals gr\u00f6\u00dfer werden als die Summe der Profite der Vorperiode. Mangelnder Kredit kann Produktion und Akkumulation erheblich einschr\u00e4nken, steht ausreichend Kredit zur Verf\u00fcgung, dann k\u00f6nnen Produktion und Akkumulation \u201ebis zur \u00e4u\u00dfersten Grenze forciert\u201c werden, wodurch der Kredit zugleich zum \u201eHaupthebel der \u00dcberproduktion und \u00dcberspekulation im Handel\u201c wird (MEW 25, 457).<\/p>\n<p align=\"justify\">Daf\u00fcr ben\u00f6tigt das Kreditsystem selbst ein H\u00f6chstma\u00df an Elastizit\u00e4t. Diese erreicht es durch die Produktion eigener Instrumente<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>, zun\u00e4chst des Kreditgeldes, dann des \u201efiktiven Kapitals\u201c (MEW 25, 482ff; vgl. auch Kr\u00e4tke 1995, 2000). Fiktives Kapital sind\u00a0<em>handelbare Anspr\u00fcche auf zuk\u00fcnftige Zahlungen<\/em>, also vor allem \u00f6ffentliche oder private Schuldtitel (sie beinhalten den Anspruch auf Zins- und Tilgungszahlungen) sowie Aktien (sie beinhalten den Anspruch auf Dividendenzahlung). Der Markt- oder Kurswert dieser Titel ergibt sich im Prinzip aus der Diskontierung der jeweiligen Gewinnerwartung mit dem aktuellen Marktzins und einem vom Gegenstand und der jeweiligen Situation abh\u00e4ngigen Risikoauf- oder -abschlag.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0Marx bezeichnet diese Titel deshalb als \u201efiktives Kapital\u201c, weil sie sich nicht auf tats\u00e4chliche Werte beziehen (wie man sie z.B. nach der Verwandlung von Geld in industrielles Kapital erh\u00e4lt), sondern sie lediglich auf der Berechnung eines\u00a0<em>vorgestellten<\/em>\u00a0Kapitalwerts beruhen. Die \u201eFinanzinnovationen\u201c, die in den letzten Jahrzehnten auf den Finanzm\u00e4rkten entwickelt wurden, indem neue Arten von Anspr\u00fcchen (z.B. auf in Geld umgerechnete Indexpunkte eines Aktienindex) geschaffen wurden, stellen nichts anderes als immer neue Konstruktionen von fiktivem Kapital dar.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ausdehnung oder Einschr\u00e4nkung der Akkumulation (sowohl was das Gesamtkapital als auch was einzelne Branchen angeht) h\u00e4ngen ganz wesentlich davon ab, ob und zu welchen Bedingungen innerhalb des Kredit- und Finanzsystems Mittel nachgefragt und bereitgestellt werden. Insofern wirkt das Kreditsystem als eine strukturelle Steuerungsinstanz der kapitalistischen Akkumulation. Relevant f\u00fcr diese Steuerung sind aber nicht in erster Linie die fr\u00fcher erzielten Profite, sondern die\u00a0<em>Erwartung\u00a0<\/em>zuk\u00fcnftiger Profite und die\u00a0<em>Einsch\u00e4tzung\u00a0<\/em>des jeweiligen Risikos &#8211; Gr\u00f6\u00dfen, die sich sehr schnell \u00e4ndern k\u00f6nnen, was dann auch erhebliche Auswirkungen auf die Produktion hat.<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Mit der Einsicht in die zentrale Rolle des Kredit- und Finanzsystems wird nicht-monet\u00e4ren, lediglich an den Produktionsbedingungen orientierten Krisentheorien, wie sie f\u00fcr den traditionellen Marxismus charakteristisch waren, der Boden entzogen: Krisenprozesse lassen sich nur aus dem unaufl\u00f6slichen Zusammenhang von Produktions-\u00a0<em>und<\/em>\u00a0Zirkulationsprozess des Kapitals verstehen. Auch Marx\u2019 allgemeinste Charakterisierung kapitalistischer Krisenprozesse hebt auf den Widerspruch zwischen den Bedingungen der Exploitation und der Realisierung des Mehrwerts ab (MEW 25, 254f), und letztere h\u00e4ngen entscheidend von Umfang und Wirkungsweise des Kreditsystems ab (was an der betreffenden Stelle nicht ausgef\u00fchrt wird, da die Kategorie des Kredits noch nicht entwickelt wurde).<\/p>\n<p align=\"justify\">Kapitalistische Produktion und Finanzsystem sind untrennbar verbunden, insbesondere l\u00e4sst sich kein prinzipieller Unterschied zwischen einer \u201eproduktiven kapitalistischen Akkumulation\u201c und einer \u201eunproduktiven Spekulation\u201c an den Finanzm\u00e4rkten aufmachen. Spekulativ ist nicht nur der Kauf einer Aktie oder eines Optionsscheins, auch jede Investition in einen kapitalistischen Produktionsprozess tr\u00e4gt ein spekulatives Moment in sich: kein Kapitalist kann sicher sein, in welchem Umfang und zu welchem Preis er seine Produkte absetzen wird, daher kann er auch nie wissen, ob seine Investition tats\u00e4chlich den erwarteten Profit bringen wird. Zu unterscheiden ist nicht zwischen Spekulation und Produktion, sondern hinsichtlich der Gegenst\u00e4nde, Zeithorizonte und Risiken der Spekulation. Und nicht zuletzt geht es in der Sph\u00e4re kapitalistisch-industrieller Produktion genauso wie in der Kredit- und Finanzsph\u00e4re um den einzigen Zweck, den das Kapital kennt: die Maximierung von Profit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aus den schroffen Gegen\u00fcberstellungen von kapitalistischer Produktion und Kredit resultieren h\u00e4ufig recht einseitige Auffassungen der Funktionsweise des gegenw\u00e4rtigen Finanzsystems. So wird innerhalb der globalisierungskritischen Debatten vor allem die restriktive Wirkung der Finanzm\u00e4rkte auf den Akkumulationsprozess hervorgehoben und daf\u00fcr mitunter die \u201eGier\u201c einzelner Protagonisten verantwortlich gemacht:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eWenn Banken oder andere Finanzunternehmen aus Gier und kurzfristigem Gewinninteresse unsachgem\u00e4\u00df mit den Institutionen einer modernen Geldwirtschaft umgehen, kommt es zu Finanzkrisen. Diese produzieren Kettenreaktionen mit dramatischen Folgen.\u201c (Huffschmid 1999, 13).<\/p>\n<p align=\"justify\">Andererseits sehen Zusammenbruchstheoretiker wie Robert Kurz im Finanzsystem die blo\u00dfe \u201eSimulierung\u201c von Profitabilit\u00e4t, die den (eigentlich schon l\u00e4ngst eingetretenen) Zusammenbruch des Kapitalismus noch eine Weile hinausschieben w\u00fcrde (Kurz 1995; 1999).<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit dem obigen Verweis auf die Entwicklung der Finanzinnovationen der letzten Jahrzehnte und der konkreten institutionellen Ausgestaltung des Kreditsystems ist der Punkt erreicht, an dem die Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise \u201ein ihrem idealen Durchschnitt\u201c (MEW 25, 839) an ihre Grenze st\u00f6\u00dft. Nicht um den Umfang seines Werkes zu begrenzen, sondern aus durchaus systematischen Gr\u00fcnden wollte Marx im Abschnitt \u00fcber das zinstragende Kapital zum Kreditwesen \u201enur einige wenige Punkte\u201c hervorheben, \u201enotwendig zur Charakteristik der kapitalistischen Produktionsweise \u00fcberhaupt\u201c (MEW 25, 413). Die konkrete Funktionsweise des Kreditsystems \u00e4ndert sich n\u00e4mlich erheblich mit der Geldverfassung, der Organisation des Bankenwesens, der Einrichtung einer staatlichen Zentralbank etc.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was sich in den letzten drei Jahrzehnten herausgebildet hat und vom Mainstream der Globalisierungskritiker als \u201eentfesselter\u201c Kapitalismus aufgefasst wird, ist nichts anderes als ein internationalisiertes Finanzsystem als Steuerungszentrum eines globalen Konkurrenzkapitalismus. Neu daran ist nicht der Einfluss des Finanzsystems. Neu ist vielmehr dass das Finanzsystem zunehmend markt- statt bankorientiert ist, was die Bedeutung des fiktiven Kapitals betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht<a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>\u00a0und vor allem dass das Finanzsystem jetzt internationalisiert ist, womit &#8211; dies macht den Kern der \u201eGlobalisierung\u201c aus &#8211; auch die Standards der Kapitalverwertung zunehmend internationalisiert werden (Altvater\/Mahnkopf 1999). Ein Zur\u00fcck zu nationalstaatlichen Regulierungen und Wirtschaftswunderzeiten wird es hier zwar nicht mehr geben, allerdings ist die institutionelle Gestalt und die politische Regulierung dieses internationalisierten Finanzsystems noch l\u00e4ngst nicht bestimmt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Innerhalb des globalen Konkurrenzkapitalismus haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten die Rolle und die Einflussm\u00f6glichkeiten der Nationalstaaten zwar erheblich ver\u00e4ndert, allerdings kann keine Rede davon sein, dass die Nationalstaaten ihre Bedeutung verloren h\u00e4tten und sich das internationale System in ein diffuses\u00a0<em>Empire<\/em>\u00a0transformiert habe, wie Hardt\/Negri (2002) meinen. Der globale Konkurrenzkapitalismus geht mit einem nationalstaatlich fragmentierten politischen System einher, das zwar eine eindeutige Hegemonialmacht besitzt, die USA, deren Hegemonie jedoch in den letzten zehn Jahren durch die spezifische Konstellation einiger Mittelm\u00e4chte punktuell in Frage gestellt wird. Am deutlichsten zeigt sich dies beim Euro, dessen Einf\u00fchrung zumindest die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, eines Tages den Dollar als Weltgeld zu ersetzen. Wie weit die machtpolitischen Interessen inzwischen auseinander laufen, machte nicht zuletzt der Konflikt um den Irakkrieg deutlich. Die institutionelle Ausgestaltung und politische Regulierung des internationalen Finanzsystems wird ganz wesentlich von den welt- und w\u00e4hrungspolitischen Differenzen der verschiedenen Machtbl\u00f6cke bestimmt sein. Ob bei den Regulierungen, die in Zukunft entstehen werden, aber tats\u00e4chlich ein freundlicherer Kapitalismus herauskommt, ist mehr als fraglich.<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Altvater, Elmar; Mahnkopf, Birgit (1999):\u00a0<em>Grenzen der Globalisierung.<\/em>\u00a0M\u00fcnster.<\/p>\n<p align=\"justify\">Backhaus, Hans-Georg (1997):\u00a0<em>Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen \u00d6konomiekritik<\/em>, Freiburg.<\/p>\n<p align=\"justify\">Groh, Dieter (1973):\u00a0<em>Negative Integration und revolution\u00e4rer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkrieges<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p align=\"justify\">Haug, Wolfgang Fritz (2001): \u201eGenesis\u201c, in:\u00a0<em>HKWM\u00a0<\/em>5, 261-274.<\/p>\n<p align=\"justify\">Haug, Wolfgang Fritz (2003): \u201eHistorisches\/Logisches\u201c, vgl. den Artikel in diesem Heft, S.385-403.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hein, Eckhard (1998): Karl Marx, ein klassischer \u00d6konom? Zur Bedeutung von Geld und Zins in der Marxschen \u00d6konomie und den Implikationen f\u00fcr eine Theorie der Kapitalakkumulation, in:\u00a0<em>PROKLA<\/em>\u00a0110, S.139-162.<\/p>\n<p align=\"justify\">Heine, Michael; Herr, Hansj\u00f6rg (1992): Der esoterische und der exoterische Charakter der Marxschen Geldtheorie &#8211; eine Kritik, in: Schikora, Andreas u.a. (Hrsg.),\u00a0<em>Politische \u00d6konomie im Wandel. Festschrift f\u00fcr Klaus Peter Kisker<\/em>, Marburg, S.195-210.<\/p>\n<p align=\"justify\">Heinrich, Michael (1996\/97): Engels&rsquo; Edition of the Third Volume of &lsquo;Capital&rsquo; and Marx&rsquo;s Original Manuscript, in:\u00a0<em>Science &amp; Society<\/em>, Vol. 60, No. 4, Winter.<\/p>\n<p align=\"justify\">Heinrich, Michael (1999):\u00a0<em>Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition,\u00a0<\/em>\u00fcberarb. u. erw. Neuaufl., M\u00fcnster.<\/p>\n<p align=\"justify\">Heinrich, Michael (2001): Monet\u00e4re Werttheorie. Geld und Krise bei Marx, in\u00a0<em>PROKLA<\/em>\u00a0123, 151-176.<\/p>\n<p align=\"justify\">Holzkamp, Klaus (1974): Die historische Methode des wissenschaftlichen Sozialismus und ihre Verkennung durch J. Bischoff,\u00a0<em>Das Argument<\/em>\u00a084.<\/p>\n<p align=\"justify\">Huffschmid, J\u00f6rg (1999):\u00a0<em>Die politische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte<\/em>, Hamburg.<\/p>\n<p align=\"justify\">Keynes, John Maynard (1936):\u00a0<em>Allgemeine Theorie der Besch\u00e4ftigung, des Zinses und des Geldes<\/em>, Berlin 1983.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kittsteiner, Heinz-Dieter (1977): \u201eLogisch\u201c und \u201ehistorisch\u201c. \u00dcber Differenzen des Marxschen und des Engels\u00adschen Systems der Wissenschaft (Engels&rsquo; Rezension \u201eZur Kritik der politischen \u00d6konomie\u201c), in:\u00a0<em>Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung<\/em>, 13.Jg., Heft 1, S.1-47.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kr\u00e4tke, Michael (1995): Stichworte \u201eBank\u201c und \u201eBanknote\u201c, in:\u00a0<em>HKWM\u00a0<\/em>2, 1-21 und 22-27.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kr\u00e4tke, Michael (2000):\u00a0<em>Geld, Kredit und verr\u00fcckte Formen<\/em>, unv. Manuskript<\/p>\n<p align=\"justify\">Kurz, Robert (1995): Die Himmelfahrt des Geldes, in:\u00a0<em>Krisis<\/em>\u00a016\/17, S.21-76.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kurz, Robert (1999):\u00a0<em>Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft<\/em>, Frankfurt\/M<\/p>\n<p align=\"justify\">Mandel, Ernest (1962):\u00a0<em>Marxistische Wirtschaftstheorie<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p align=\"justify\">Meek, Ronald L. (1956):\u00a0<em>Studies in the Labour Theory of Value<\/em>, Second Edition, London 1975.<\/p>\n<p align=\"justify\">Milios, John; Dimoulis, Dimitri; Economakis, George (2002):\u00a0<em>Karl Marx and the Classics. An essay on value, crises and the capitalist mode of production<\/em>, Ashgate.<\/p>\n<p align=\"justify\">Rakowitz, Nadja (2000):\u00a0<em>Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie<\/em>, Freiburg.<\/p>\n<p align=\"justify\">Rubin, Isaak I. (1924):\u00a0<em>Studien zur Marxschen Werttheorie<\/em>, Frankfurt\/M 1973.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sweezy, Paul M. (1942):\u00a0<em>Theorie der kapitalistischen Entwicklung<\/em>, Frankfurt\/M 1970.<\/p>\n<p align=\"justify\">Vollgraf, Carl-Erich, Jungnickel, J\u00fcrgen (1995): Marx in Marx&rsquo; Worten? Zu Engels&rsquo; Edition des Hauptmanuskripts zum dritten Buch des &lsquo;Kapitals&rsquo;, in:\u00a0<em>MEGA-Studien\u00a0<\/em>1994\/2, S.3-55.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0Marxsche \u00c4u\u00dferungen zu dieser Rezension sind nicht bekannt, wahrscheinlich gibt es keine. Auch im ersten Band des\u00a0<em>Kapitals<\/em>, in dem Marx mehrfach \u00f6konomische Schriften von Engels zitiert, wird sie nicht erw\u00e4hnt, obwohl sich dies im Vorwort und bei einigen Textstellen inhaltlich anbieten w\u00fcrde &#8211; wenn Marx mit ihrem Inhalt einverstanden gewesen w\u00e4re. Eine h\u00f6chst lesenwerte Auseinandersetzung mit dieser Rezension vor dem Hintergrund unterschiedlicher Wissenschaftskonzeptionen bei Marx und Engels ist Kittsteiner (1977).<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>\u00a0Ebenso selbstverst\u00e4ndlich hei\u00dft es im Stichwort \u201eHistorisches\/Logisches\u201c, das Genetische k\u00f6nne \u201eals das modellhaft begriffene Historische\u201c verstanden werden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0F\u00fcr die mangelhafte Auffassung des Zusammenhangs von Wert und Wertform bei Smith und Ricardo macht Marx keine Defizite in der Erfassung der historischen Herausbildung des Geldes verantwortlich, sondern Defizite in der Erfassung der Wertform des Arbeitsproduktes als \u201eallgemeinste Form der\u00a0<em>b\u00fcrgerlichen<\/em>\u00a0Produktionsweise\u201c (MEW 23, 95, Fn. 32, Hervorhebung von mir).<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>\u00a0Allerdings hat Marx diesem substanzialistischen Verst\u00e4ndnis durch eine ganze Reihe von Ambivalenzen seiner Darstellung erheblich Vorschub geleistet, vgl. dazu (Heinrich 1999, Kapitel 6).<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a>\u00a0Dass die Marxsche Werttheorie \u201emonet\u00e4re Werttheorie\u201c und damit Kritik pr\u00e4monet\u00e4rer Werttheorien ist, zu denen gleicherma\u00dfen die klassische Arbeitswertlehre, die neoklassische Nutzentheorie des Werts aber auch die vom traditionellen Marxismus vertretene \u201emarxistische Arbeitswerttheorie\u201c geh\u00f6rt, hat vor allem Hans-Georg Backhaus in den 70er Jahren herausgestellt (vgl. seine gesammelten Aufs\u00e4tze in Backhaus 1997). Erste \u00dcberlegungen, die in eine teilweise \u00e4hnliche Richtung gingen, stellte in den 20er Jahren Rubin (1924) an. In unterschiedlicher Weise wurde die monet\u00e4re Auffassung der Werttheorie u.a. bei Hein (1998), Heinrich (1999; 2001), Rakowitz (2000) und Milios\/Dimoulis\/Economakis (2002) weiterentwickelt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a>\u00a0Ebenso eindeutig hei\u00dft es zur Erkl\u00e4rungskraft der geschichtlichen Entwicklung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse: \u201eDie b\u00fcrgerliche Gesellschaft ist die entwickeltste und mannigfaltigste historische Organisation der Produktion. Die Kategorien, die ihre Verh\u00e4ltnisse ausdr\u00fccken, das Verst\u00e4ndnis ihrer Gliederung gew\u00e4hren daher zugleich Einsicht in die Gliederung aller der untergegangenen Gesellschaftsformen&#8230;.\u00a0<em>Die Anatomie des Menschen ist ein Schl\u00fcssel zur Anatomie des Affen<\/em>\u201c (MEW 42, 39, Hervorhebung M.H.). Genetische Rekonstruktion verstanden als modellhafte Darstellung der Geschichte liefe dagegen darauf hinaus, die Anatomie des Affen zum Schl\u00fcssel f\u00fcr die Anatomie des Menschen zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a>\u00a0Ob Marx eine schl\u00fcssige Begr\u00fcndung dieses Gesetzes gelungen ist, bzw. ob sich eine solche Begr\u00fcndung \u00fcberhaupt liefern l\u00e4sst, ist heftig umstritten. In Heinrich (1999, 327ff) habe ich mich mit wesentlichen Beitr\u00e4gen dieser Debatte auseinandergesetzt und zu zeigen versucht, dass es keine konsistente Begr\u00fcndung f\u00fcr dieses \u201eGesetz\u201c geben kann.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a>\u00a0Vgl. zur Engelsschen Edition des dritten Bandes Vollgraf\/Jungnickel (1995) sowie Heinrich (1995\/96).<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0F\u00fcr lange Zeit blieb Hilferding (1910) das einzige marxistische Werk dazu. Allerdings beschr\u00e4nkte sich Hilferding nicht nur auf eine selektive Auseinandersetzung mit der Marxschen Kredittheorie, diese beruhte auch auf einer fragw\u00fcrdigen, im Grunde quantit\u00e4tstheoretischen Lesart der Marxschen Geldtheorie.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0\u201eProduziert\u201c werden diese Instrumente von Banken und anderen \u201eFinanzdienstleistern\u201c, um ihren eigenen Profit zu steigern. Dass Nachfrage nach ihnen besteht, liegt in ihrem \u201eGebrauchswert\u201c, d.h. ihrer jeweiligen Funktionalit\u00e4t hinsichtlich Flexibilit\u00e4t, Risikoabsicherung etc. begr\u00fcndet.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0\u201eDiskontierung mit dem Marktzins\u201c bedeutet, das berechnet wird, wie gro\u00df ein Kapital w\u00e4re, das beim aktuellen Marktzins den erwarteten Gewinn des jeweiligen Titels abwerfen w\u00fcrde. Wird das Risiko als \u00fcberdurchschnittlich eingesch\u00e4tzt, liegt der Kurswert etwas unter diesem Wert, wird es als unterdurchschnittlich eingesch\u00e4tzt liegt er etwas dar\u00fcber. Da sich der Marktzins und vor allem die Risikoeinsch\u00e4tzung kurzfristig stark \u00e4ndern k\u00f6nnen, kann es zu erheblichen Schwankungen der Kurse und damit des \u201eWerts\u201c des fiktiven Kapitals kommen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0Der Kredit als Steuerungsinstanz der kapitalistischen Akkumulation wurde von Marx im\u00a0<em>Kapital<\/em>\u00a0nur rudiment\u00e4r entwickelt (MEW 25, 451ff und 620), obgleich er sich bereits in den\u00a0<em>Grundrissen<\/em>\u00a0\u00fcber diesen Sachverhalt im Klaren war: \u201eIm Geldmarkt ist das Kapital in seiner Totalit\u00e4t gesetzt; darin ist es\u00a0<em>preisbestimmend<\/em>,\u00a0<em>arbeitgebend<\/em>, die\u00a0<em>Produktion regulierend<\/em>, in einem Wort\u00a0<em>Produktionsquelle<\/em>\u201c (MEW 42, 201, Hervorhebungen im Original). Ausf\u00fchrlicher dazu Heinrich (1999, 299ff).<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/oekonomiekritik.de\/307Geld%20und%20Kredit.htm#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0Der \u00dcbergang vom bank- zum marktorientierten Finanzsystem zeigt sich unter anderem daran, dass Unternehmen, viel h\u00e4ufiger als fr\u00fcher direkt an den Kapitalmarkt gehen und sich dort das ben\u00f6tigte Kapital \u00fcber die Ausgabe von Aktien oder Anleihen (also die Schaffung von fiktivem Kapital) besorgen, statt Kredite bei ihren \u201eHausbanken\u201c aufzunehmen.<\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geld und Kredit in der Kritik der politischen \u00d6konomie, Michael Heinrich in:\u00a0Das Argument\u00a0251, 2003, S.397-409 Article sur le site de Michael Heinrich Vor dem Hintergrund internationalisierter Finanzm\u00e4rkte, h\u00e4ufiger werdenden W\u00e4hrungskrisen und Crashs an den Aktienm\u00e4rkten besitzt die Diskussion \u00fcber Geld &hellip; <a href=\"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=1716\">Continuer la lecture <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14481,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[35,20,32],"tags":[],"class_list":["post-1716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-articles","category-michael-heinrich","category-theorie-marxiste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14481"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1716"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1716\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1718,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1716\/revisions\/1718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}