{"id":1815,"date":"2020-03-16T10:59:45","date_gmt":"2020-03-16T09:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=1815"},"modified":"2020-03-16T10:59:45","modified_gmt":"2020-03-16T09:59:45","slug":"michael-heinrich-die-marxschen-texte-zur-okonomiekritik-unveroffentlichtes-seminarmaterial-berlin-2000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=1815","title":{"rendered":"Michael Heinrich  Die Marxschen Texte zur \u00d6konomiekritik,  unver\u00f6ffentlichtes Seminarmaterial, Berlin 2000"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1813 alignleft\" src=\"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C-300x293.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C-300x293.jpg 300w, https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C-1024x1001.jpg 1024w, https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C-768x751.jpg 768w, https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C-624x610.jpg 624w, https:\/\/liremarx.noblogs.org\/files\/2020\/03\/Karl-Marx-C.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Aus der Internet-Website: <a href=\"http:\/\/www.oekonomiekritik.de\/\">http:\/\/www.oekonomiekritik.de\/<\/a><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Von seinem Hauptwerk <i>Das Kapital <\/i>hat Marx nur den ersten Band selbst ver\u00f6ffentlicht, die B\u00e4nde zwei und drei blieben unvollendet und wurden erst nach Marx Tod von Engels aus dem Nachlass herausgegebenen. Da das <i>Kapital<\/i> ein Fragment blieb, wird immer wieder auf andere Texte von Marx zur\u00fcckgegriffen, von denen die meisten ebenfalls unver\u00f6ffentlicht und unvollendet sind. Da Marx eine bestimmte Entwicklung durchgemacht hat und manche Auffassungen revidierte oder ver\u00e4nderte, sollte bei allen Schriften ber\u00fccksichtigt werden, in welcher Phase dieser Entwicklung sie entstanden sind. Die folgende \u00dcbersicht \u00fcber die f\u00fcr die \u00d6konomiekritik wichtigsten Texte, soll dazu eine erste Orientierung bieten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>\u00d6konomisch-philosophische Manuskripte<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1844) [MEW 40; MEGA I.Abt., Bd.2]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Unver\u00f6ffentlicht, unvollendet und von Marx unbetitelt (auch unter den Titeln <i>Pariser Manuskripte<\/i> bzw. <i>National\u00f6konomie und Philosophie <\/i>bekannt), zuerst 1932 ver\u00f6ffentlicht. Marx steht hier stark unter dem Einfluss von Feuerbachs Philosophie des \u201emenschlichen Wesens\u201c, mit der dieser Philosophie und Religion kritisierte. Marx \u00fcbertr\u00e4gt diese Kritik auf die \u00d6konomie: im Kapitalismus sind die Menschen von ihrem wirklichen menschlichen Wesen \u201eentfremdet\u201c, der Kommunismus ist die Aufhebung dieser Entfremdung. Die National\u00f6konomie kritisiert Marx, da sie den entfremdeten Zustand als nat\u00fcrlichen betrachtet; sie sei daher nur Wissenschaft innerhalb dieser Entfremdung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Thesen \u00fcber Feuerbach<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1845), <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Deutsche Ideologie <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1845\/46) [MEW 3]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Unver\u00f6ffentlicht, die <i>Feuerbachthesen<\/i> wurden 1888, die <i>Deutsche Ideologie<\/i> 1932 ver\u00f6ffentlicht. In beiden Texten wird die (Feuerbachsche) Philosophie des menschlichen Wesens kritisiert, \u201cWesen\u201d und \u201cEntfremdung\u201d als philosophische Konstrukte abgelehnt, statt dessen sollen die realen \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse &#8211; Produktivkr\u00e4fte und Produktionsverh\u00e4ltnisse &#8211; analysiert werden. Ob hier tats\u00e4chlich ein Bruch mit der Wesensphilosophie vorliegt, oder ob f\u00fcr Marx auch sp\u00e4ter noch eine bestimmte Vorstellung des menschlichen Wesens und der Entfremdung davon eine Rolle spielt, ist in der Diskussion \u00e4u\u00dferst umstritten.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Kommunistisches Manifest<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1848) [MEW 4]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Von Marx und Engels als Programmschrift f\u00fcr den \u201eBund der Kommunisten\u201c ver\u00f6ffentlicht. Es enth\u00e4lt eine Skizze der Entwicklung des Kapitalismus aus dem Feudalismus. Klassenk\u00e4mpfe gelten als Motor geschichtlicher Entwicklung, die schlie\u00dflich auch zum Ende des Kapitalismus f\u00fchren. Die Passagen, die sich mit der politischen \u00d6konomie des Kapitalismus im engeren Sinne besch\u00e4ftigen, sind noch unausgereift, die eigentliche Besch\u00e4ftigung mit der politischen \u00d6konomie steht Marx erst noch bevor.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Zwar hatte Marx die Hauptwerke von Smith, Ricardo, Say und Mill schon in den vierziger Jahren gelesen, aber erst nach seiner (erzwungenen) \u00dcbersiedlung nach London beginnt er ab 1850 ein intensives Studium \u00f6konomischer Literatur in der Bibliothek des British Museum. Hier findet er eine ungeheure Masse an Material: B\u00fccher, Zeitschriften, Pamphlete bekannter wie unbekannter Autoren. Zugleich befindet er sich in London im Zentrum des Kapitalismus schlechthin und kann in der Presse wichtige Entwicklungen detailliert verfolgen. Es entstehen in den 50er und 60er Jahren umfangreiche Exzerpthefte zu unterschiedlichsten Themen und Autoren, auf die sich Marx dann bei der Ausarbeitung seiner Texte st\u00fctzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Bereits in den fr\u00fchen 50er plante Marx eine umfassende \u00d6konomiekritik, aber erst 1857 beginnt er tats\u00e4chlich mit dem von ihm als \u201eKritik der politischen \u00d6konomie\u201c bezeichneten Unternehmen. Es entstehen eine Reihe von Manuskripten, von denen die meisten nicht abgeschlossen werden: beim Versuch, Manuskripte f\u00fcr den Druck zu \u00fcberarbeiten, tauchen immer wieder neue Probleme auf (oder alte Probleme werden neu angegangen), statt einem druckfertigen Manuskript entsteht dann ein weiteres Protokoll eines Forschungsprozesses, das erneut \u00fcberarbeitet werden muss. Wenn im folgenden nichts anderes vermerkt ist, dann sind die nun erw\u00e4hnten Marxschen Texte unvollendet und von Marx selbst nicht ver\u00f6ffentlicht worden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Einleitung<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1857) [Grundrisse, Berlin 1953; MEW 42; MEGA II. Abt., Bd. 1.1]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Dieser Text sollte die Einleitung des geplanten gro\u00dfen Werkes bilden. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine \u00dcberlegungen zur Methode des \u201eAufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten\u201c. Allerdings sollten diese &#8211; vor der eigentlichen Darstellung niedergeschriebenen &#8211; \u00dcberlegungen nicht als Marx\u2018 letztes Wort zur Methode verstanden werden, sondern als Zusammenfassung bisheriger Ergebnisse, die in der Folge noch modifiziert werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Grundrisse der Kritik der politischen \u00d6konomie (Rohentwurf) <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1857\/58) [Grundrisse, Berlin 1953; MEW 42; MEGA II. Abt., Bd. 1.1-1.2]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Ein erster (von Marx unbetitelter) Entwurf der geplanten \u00d6konomiekritik. Das Manuskript entwickelte sich aus einer Auseinandersetzung mit der Schrift eines Sch\u00fclers von Proudhon (einem von Marx\u2018 Lieblingsgegnern). Grob l\u00e4sst sich bereits die thematische Struktur der sp\u00e4teren drei B\u00e4nde des <i>Kapital<\/i> erkennen: Produktionsprozess, Zirkulationsprozess, Gesamtprozess (hier noch: Kapital und Profit). Marx ringt aber noch mit vielen kategorialen Schwierigkeiten und Problemen der Darstellungsstruktur. Viele sp\u00e4ter im <i>Kapital<\/i> behandelte Themen werden \u00fcberhaupt nicht angesprochen, daf\u00fcr gibt es eine Reihe von \u00dcberlegungen, die sich sp\u00e4ter so nicht mehr finden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">W\u00e4hrend der Arbeit an den <i>Grundrissen<\/i> fasste Marx den Plan, seine Kritik der politischen \u00d6konomie in sechs B\u00fccher einzuteilen (Kapital, Grundeigentum, Lohnarbeit, Staat, ausw\u00e4rtiger Handel, Weltmarkt). Diese B\u00fccher sollten in Form fortlaufender Hefte erscheinen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Urtext von Zur Kritik der politischen \u00d6konomie<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1858) [Grundrisse, Berlin 1953 (Anhang); MEGA II. Abt. Bd.2]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Der <i>Urtext<\/i> ist der (unvollendete und unvollst\u00e4ndig erhalten gebliebene) Entwurf des ersten Heftes. Wichtig ist er vor allem wegen einer Darstellung des kategorialen \u00dcbergangs vom Geld zum Kapital, der in sp\u00e4teren Darstellungen ausgelassen wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Zur Kritik der politischen \u00d6konomie. Erstes Heft<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1859) [MEW 13; MEGA II. Abt., 2.Bd.]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Diese Schrift wurde von Marx selbst ver\u00f6ffentlicht. Ihr Vorwort enth\u00e4lt eine h\u00e4ufig zitierte, \u00fcberaus knappe (und deshalb auch mit Vorsicht zu benutzende) Skizze der materialistischen Geschichtsauffassung. Im Haupttext wird Ware und Geld behandelt, also der Stoff der ersten drei Kapitel des ersten <i>Kapital<\/i>-Bandes. Allerdings sind einige Gewichtungen anders gesetzt als im <i>Kapital<\/i>, so dass sich eine parallele Lekt\u00fcre lohnt. Au\u00dferdem gibt es noch eigenst\u00e4ndige theoriegeschichtliche Abschnitte zu den Theorien \u00fcber Wert und denen \u00fcber Geld, die im <i>Kapital<\/i> fehlen, da Marx sp\u00e4ter ein eigenes theoriegeschichtliches Werk als vierten Band des <i>Kapital<\/i> plante.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Zur Kritik der politischen \u00d6konomie <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1861-63) [vollst\u00e4ndig nur in: MEGA II. Abt., Bd. 3.1-3.6; etwa die H\u00e4lfte des Manuskripts sind die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Theorien \u00fcber den Mehrwert<\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"> (Bd. 3.2-3.4) auch in: MEW 26.1-26.3]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Urspr\u00fcnglich als Fortsetzung des ersten Heftes geplant, entwickelte sich der Text schnell zu einem f\u00fcr Marx typischen Forschungsmanuskript. Es beginnt mit der Darstellung des Kapitals und enth\u00e4lt Themen, die sp\u00e4ter im ersten und im dritten Band des <i>Kapital<\/i> auftauchen. Die H\u00e4lfte dieses umfangreichen Manuskripts nehmen die <b>Theorien \u00fcber den Mehrwert<\/b> ein, die vielfach als \u201evierter Band\u201c des <i>Kapital<\/i> (so auch ihr Untertitel in MEW 26.1-26.3) betrachtet werden, was allerdings nicht zutrifft: in dem geplanten vierten Band wollte Marx eine umfassende Theoriegeschichte geben, die <i>Theorien<\/i>, sind jedoch vor allem auf die Theoriebildung zu Mehrwert und Profit bezogen. Dar\u00fcber hinaus ist die Auseinandersetzung mit den fr\u00fcheren Autoren in erster Linie Bestandteil des eigenen Forschungsprozesses.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>\u00d6konomische Manuskripte 1863-65 <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">[MEGA II. Abt., Bd. 4.1-4.2]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Ende 1862 hatte sich Marx entschieden keine Fortsetzung des 1859 erschienen <i>Ersten Heftes<\/i> herauszubringen, sondern ein selbst\u00e4ndiges Werk <i>Das Kapital<\/i>, das den urspr\u00fcnglichen Titel Kritik der politischen \u00d6konomie nur noch als Untertitel erhalten sollte. Es entstanden nun Entw\u00fcrfe f\u00fcr alle drei <i>Kapital<\/i>-B\u00e4nde. Vom Entwurf f\u00fcr den ersten Band blieb allerdings nur das sechste Kapitel (es sollte das Schlusskapitel bilden) \u00fcbrig, <i><b>Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses <\/b><\/i><i>(<\/i>in MEGA II. Abt., Bd. 4.1, auch separat: Frankfurt 1969). Dieses Kapitel, das sich unter anderem mit formeller und reeller Subsumtion der Arbeit unters Kapital, sowie der Ware als Voraussetzung und Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses besch\u00e4ftigt, wurde in die 1867 ver\u00f6ffentlichte Druckfassung des ersten Bandes nicht aufgenommen. Das Manuskript zum zweiten Band (in: MEGA II. Abt. Bd. 4.1) behandelt die wesentlichen Themen, wurde von Engels bei der Herausgabe des zweiten Bandes allerdings nicht ber\u00fccksichtigt, er benutzte eine Reihe von sp\u00e4ter entstandenen Texte. Dagegen st\u00fctzte sich Engels bei der Herausgabe des dritten Bandes vor allem auf das 1864\/65 geschriebene Manuskript (MEGA II. Abt. Bd.4.2). Die Engelssche Edition des dritten Bandes weist aber eine Reihe von inhaltlich bedeutsamen Abweichungen gegen\u00fcber dem Marxschen Originalmanuskript auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Das Kapital. Erster Band <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1867) [1.Auflage 1867: MEGA II. Abt., Bd. 5; 2.Aufl. 1872: MEGA II. Abt., Bd. 6; 4. Aufl. 1890: MEW 23]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">1867 konnte Marx endlich den ersten Band des lange geplanten Werkes ver\u00f6ffentlichen, 1872 erfolgte die 2. Auflage, die vor allem im Abschnitt \u00fcber die Wertformanalyse betr\u00e4chtliche Ver\u00e4nderungen mit sich brachte, wobei zwar einzelne Punkte pr\u00e4ziser gefasst wurden, es aber auch zu einer stellenweise problematischen \u201ePopularisierung\u201c kam. F\u00fcr eine gr\u00fcndliche Auseinandersetzung mit der Marxschen Werttheorie sollten daher beide Fassungen benutzt werden. Bei der \u00dcberarbeitung der ersten Auflage entstand ein umfangreiches Manuskript (redaktioneller Titel in MEGA II. Abt., Bd. 6: <i><b>Erg\u00e4nzungen und Ver\u00e4nderungen zum ersten Band des Kapitals<\/b><\/i>), in dem Marx unter anderem seine eigene Darstellung der Werttheorie kommentiert Ein weiterer Kommentar findet sich in den kurz vor Marx\u2018 Tod entstandenen <i><b>Randglossen zu Wagner<\/b><\/i> (MEW 19).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">1872-1876 erschien eine franz\u00f6sische \u00dcbersetzung, in der Marx im Akkumulationsabschnitt erhebliche Erg\u00e4nzungen vornahm. Nach Marx\u2018 Tod brachte Engels 1883 die 3. und 1890 die 4. Auflage heraus (der Text in MEW 23 entspricht dieser 4. Auflage). Dabei arbeitete Engels die Ver\u00e4nderungen der franz\u00f6sischen Ausgabe &#8211; allerdings nur teilweise &#8211; in den Text ein.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Das Kapital. Zweiter Band<\/b><\/i><\/span><\/span> <span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1885) [MEW 24]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Engels stellte den Band aus verschiedenen Manuskripten zusammen, die Marx in den sp\u00e4ten 60er und in den 70er Jahren geschrieben hatte, dieser Ausgabe folgt auch MEW 24.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Das Kapital. Dritter Band <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">(1894) [MEW 25]<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Hier benutzte Engels vor allem das Manuskript von 1864\/65 nahm aber eine ganze Reihe von Umstellungen und Ver\u00e4nderungen vor (neben Umformulierungen stammen fast alle Untergliederungen und \u00dcberschriften von Engels). Nur einige l\u00e4ngere Einsch\u00fcbe hat Engels gekennzeichnet, die Masse der Ver\u00e4nderungen, die zum Teil auch inhaltliche Konsequenzen haben, wurde jedoch nicht kenntlich gemacht. Der Text in MEW 25 folgt der Edition von Engels, das Originalmanuskript ist erst in den 90er Jahren in der MEGA erschienen. F\u00fcr eine eingehendere Besch\u00e4ftigung sollte unbedingt das Marxsche Originalmanuskript [MEGA II. Abt., Bd. 4.2] benutzt werden. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\">\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><i><b>Zur Rezeption des <\/b><\/i><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\"><b>Kapital<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Der erste Band erschien fast 30 Jahre vor dem dritten Band und wurde daher auch weitgehend isoliert rezipiert. Dies \u00e4nderte sich auch nach dem Erscheinen des dritten Bandes nicht grunds\u00e4tzlich: die meisten LeserInnen kamen \u00fcber den ersten Band nicht hinaus, vom zweiten und dritten Band wurden allenfalls einzelne Teile, wie etwa das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate zur Kenntnis genommen. Die drei B\u00e4nde bilden aber ein Ganzes; liest man nur Teile, dann wird das Bild nicht nur unvollst\u00e4ndig, sondern auch schief. Reduziert man z.B. die Akkumulationstheorie auf das, was sich im ersten Band dazu findet, dann bleibt der gesamte Bereich des Kredits und des Aktienkapitals ausgeblendet. Die zentrale Bedeutung, die das Finanzsystem f\u00fcr die kapitalistische Entwicklung hat, erscheint dann \u00fcberhaupt nicht mehr im Blickfeld.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Die Rezeption des <i>Kapital<\/i> wird noch durch zwei weitere Umst\u00e4nde erschwert. (1) Alle drei B\u00e4nde, so wie sie seit gut 100 Jahren vorliegen und in MEW abgedruckt sind, wurden von Engels und nicht von Marx herausgegeben. Dabei nahm Engels eine Reihe von Texteingriffen vor (vor allem im dritten Band), die f\u00fcr die LeserInnen nicht kenntlich gemacht wurden und die gewisse inhaltliche Akzente verschoben haben. (2) Das Werk blieb ein Torso, dessen einzelne Teile unterschiedlich weit ausgearbeitet wurden. Insbesondere ist zu beachten, dass die Entstehungsreihenfolge der von Engels verwendeten Manuskripte nicht mit der Reihenfolge der B\u00e4nde \u00fcbereinstimmt: die j\u00fcngsten Manuskripte fanden Eingang in den zweiten Band, das \u00e4lteste bildete die Grundlage des dritten Bandes. Insofern ist der dritte Band auch nicht der Abschluss des ganzen Unternehmens, an einigen Stellen ist der erste Band theoretisch weiter entwickelt als der dritte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"font-size: small\">Eine kurze Charakterisierung der \u00f6konomiekritischen Texte von Marx und Engels sowie der wichtigsten Sekund\u00e4rliteratur, die sich auf diese Texte bezieht, findet sich bei: Michael Heinrich: Kommentierte Literaturliste zur Kritik der politischen \u00d6konomie, in: Elmar Altvater u.a., <i>Kapital.doc<\/i>, M\u00fcnster (Verlag Westf\u00e4lisches Dampfboot), 1999.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Internet-Website: http:\/\/www.oekonomiekritik.de\/ Von seinem Hauptwerk Das Kapital hat Marx nur den ersten Band selbst ver\u00f6ffentlicht, die B\u00e4nde zwei und drei blieben unvollendet und wurden erst nach Marx Tod von Engels aus dem Nachlass herausgegebenen. 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