{"id":280,"date":"2019-08-07T23:08:06","date_gmt":"2019-08-07T21:08:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dusansamuel.wordpress.com\/?p=280"},"modified":"2020-03-10T17:39:55","modified_gmt":"2020-03-10T16:39:55","slug":"verblendungszusammenhang-gegen-politischen-aktivismus-spannung-zwischen-theorie-und-praxis-anhand-michael-heinrichs-ansatz-zur-interpretation-des-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=280","title":{"rendered":"Verblendungszusammenhang gegen politischen Aktivismus?\u00a0 Spannung zwischen Theorie und Praxis anhand Michael Heinrichs Ansatz zur Interpretation des Kapitals"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify\">\n<p style=\"text-align:justify\">\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>Verblendungszusammenhang gegen politischen Aktivismus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>Spannung zwischen Theorie und Praxis anhand Michael Heinrichs Ansatz zur Interpretation des <em>Kapitals<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">In seiner Antwort an Ernst Michael Lange behauptet Michael Heinrich, dass \u201edie Diagnose des \u201eWarenfetischismus\u00a0\u00bb im <em>Kapital<\/em> keineswegs als Kritik an einer verkehrten Vergesellschaftung [&#8230;], sondern als Kritik einer verkehrten Auffassung der vorliegenden Vergesellschaftung\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> auftritt. Er gibt sich dabei der Kritik der Essentialisten, Antideterministen, und der Normativisten hin, der Verteidiger der \u201eEmp\u00f6rung\u201c \u2013 verstanden als normatives und moralisches Gef\u00fchl, das zum politischen Aktivismus treibt. Daher ist es notwendig zu bestimmen, inwiefern Marx weder eine Trennung zwischen Weltver\u00e4nderung und theorerischer Analyse des kapitalistischen Produktionsmodus operiert, noch die erste f\u00fcr die letzte voraussetzt. In dem Kontext einer erneuerten Bewegung der marxistischen Lesezirkel gewinnt dieser scheinbar rein hermeneutische Expertenkonflikt doch eine praktische Dimension, deren Implikationen weit \u00fcber das <em>Kapital <\/em>selbst hinausf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">In der Tat kritisieren die Vertreter einer eher klassischen Lesart von Marx an Michael Heinrichs Interpretation des <em>Kapitals<\/em>, dass in seiner Konzeptualisierung der Mensch nicht mehr als <em>Akteur<\/em> zu verstehen ist. Daher ersch\u00f6pfe sich die Konflikthaftigkeit im Abstrakten und konkrete Auseinandersetzungen in Form des Klassenkampfes h\u00e4tten keinen Platz mehr, weil eben alle gleicherma\u00dfen der Verblendung durch den Warenfetisch unterl\u00e4gen. Karl Reitter zufolge \u00fcberinterpretiere Heinrich damit die Marxsche Formel vom Kapital als\u00a0automatischem Subjekt. Indirekt leiste Heinrich \u201edem Gerede vom Verblendungszusammenhang, hinter dessen d\u00fcsterem Vorhang alle Klassengegens\u00e4tze irrelevant werden, leider einen gewissen Vorschub\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Insofern w\u00e4re eine Analyse des Kapitals, die die Intentionen der Teilnehmer nicht einbringt, eine Ablehnung des Klassenkampfes, als ob die Folge davon w\u00e4re, \u00a0\u201edass an den Agenten des Kapitals und ihrem Ausbeutungsgesch\u00e4ft unter den gegebenen Eigentums- und Tauschverh\u00e4ltnissen eigentlich nichts zu kritisieren ist: Was sie treiben, ist nach den Regeln des Warentauschs absolut korrekt\u201c.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Die heftige Debatte, die darauf folgt, bedarf unsere Aufmerksamkeit als politische Aktivisten und als theoretische Forscher. Notwendig ist es, auf verschiedene Ebene die Voraussetzungen und Implikationen dieser Debatte zu hinterfragen: auf einer historisch-theoretischen Ebene, auf eine textbezogene Weise, und auf einer praktischen Ebene.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">\n<p style=\"text-align:justify\">Die Behauptung von Michael Heinrich l\u00e4sst sich ebenso im Rahmen der Geschichte des Marxismus selbst verstehen, angesichts z.B. von B\u00f6hm-Bawerk, Lenin, Althusser oder Habermas. Eine Einschreibung in diesem theoretisch-historischen Zusammenhang wird daher notwendig, um zu begreifen, inwiefern Michael Heinrich auf einen \u201erohen Marxismus\u201c oder auf bestimmten Autoren antwortet.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Die Bestimmung der Gespr\u00e4chspartner ist eine Voraussetzung, um die Natur der Kritik zu fassen und die Ebene der Argumentation nicht zu verwechseln.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Verblendungszusammenhang und automatischen Agenten ist die nach der revolution\u00e4ren Praxis. Sie bedarf im Voraus eine Verteidigung durch den Text des <em>Kapitals<\/em> selbst. Aber nicht nur, weil das scheinbar kausale Verh\u00e4ltnis, das zwischen einer Behauptung des Verblendungszusammenhanges und politischem Aktivismus herrschen w\u00fcrde, noch auf eine andere Weise zu hinterfragen ist. Zugleich beruht das Postulat, demzufolge das Verst\u00e4ndnis der Kapitalprozesse unabdingbar zu Weltver\u00e4nderungsaspiration f\u00fchrt darauf, dass die \u201eIdee der Weltver\u00e4nderung\u201c nicht die Grundlage der marxistischen Theorie sei. Diese These muss auch die Tatsache nicht leugnen, dass Teilnehmer von \u201eKapital\u201c-Lesegruppen doch schon selbst zumeist diese Idee der Weltver\u00e4nderung voraussetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Michael Heinrichs Interpretation des <em>Kapitals<\/em> schreibt sich in ein ganzes koh\u00e4rentes System der Wissenschaftlichkeit ein, was zugleich dazu f\u00fchrt, dass man sowohl Essentialismus als auch Normativit\u00e4t nicht mehr als Waffen im Klassenkampf annehmen kann. Die Ber\u00fccksichtigung dieser Tatsache angesichts der Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Theorie und ver\u00e4ndernder Praxis, und nach den Subjekten der Transformation oder Revolution ist eine unvermeidbare Aufgabe des aktuellen politischen Aktivismus und wird Gegenstand des hier beschriebenen Vortrags.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Michael Heinrich, <em>Die Wissenschaft vom Wert<\/em>, S. 373<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Karl Reitter,\u00a0<em>Kapitalismus ohne Klassenkampf?\u00a0zu Michael Heinrich:\u00a0Kritik der politischen \u00d6konomie<\/em>.\u00a0In:\u00a0<em>Grundrisse<\/em>.\u00a011, Herbst 2004, S. 26\u201334.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <em>Wie man \u201eDas Kapital\u201c nicht schon wieder neu lesen sollte.<\/em>\u00a0In:\u00a0<em>GegenStandpunkt.<\/em>\u00a02\/08<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a>In der Tat wiederholt der Autor, dass er unter Marxismus folgendes versteht: \u00a0\u201eWhat I\u2019m talking about are those philosophical simplifications that are presented as \u201cMarxism,\u201d those mixtures of simple materialism, bourgeois ideas of progress, and vulgar Hegelianism which are presented as \u201cdialectical materialism\u201d and \u201chistorical materialism\u201d\u201c,\u00a0 in <em>Je ne suis pas marxiste<\/em>, Michael Heinrich, in <em>Neues Deutschland<\/em>, 24.01.2015.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verblendungszusammenhang gegen politischen Aktivismus? \u00a0 Spannung zwischen Theorie und Praxis anhand Michael Heinrichs Ansatz zur Interpretation des Kapitals In seiner Antwort an Ernst Michael Lange behauptet Michael Heinrich, dass \u201edie Diagnose des \u201eWarenfetischismus\u00a0\u00bb im Kapital keineswegs als Kritik an einer &hellip; <a href=\"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/?p=280\">Continuer la lecture <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14481,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-280","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-non-classe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14481"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=280"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/280\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1692,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/280\/revisions\/1692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/liremarx.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}